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06.09.2017 Kategorie: Infos Sozialstation

Sozialminister besucht die Sozialstation

Der baden-württembergische Sozialminister, Manne Lucha, war am 5. September bei der Sozialstation in Salem-Mitte zu Gast. Lesen Sie hier den Artikel von Julia Freyda, Schwäbische Zeitung:

Manne Lucha (Foto: Gunthild Schulte-Hoppe)

Fördermittel hat Sozialminister Manne Lucha (Grüne) der Sozialstation Bodensee bei seinem Besuch am Dienstagvormittag in Aussicht gestellt. Der Minister bot ein Gespräch über Unterstützungsmöglichkeiten wie etwa für die Pläne zum Ausbau des Pflegeangebotes an.

 

Wolfgang Jauch, Vorsitzender der Sozialstation, nutze Luchas Besuch des Pflegestützpunktes im Gebäude von "Generation plus" in Salem, um die Pläne des ambulanten Pflegedienstleisters vorzustellen. "Wir wollen eine bessere Versorgungsstruktur für die häusliche Versorgung aufbauen", sagte Jauch. Angedacht sei etwa eine an die ambulante Struktur angelehnte Tages- und Nachtpflege. "Das können wir aber nur mit Fördermitteln realisieren", informierte Jauch mit einem Blick auf Lucha. Der nahm den Appell auf: "Wir haben großes Interesse solche Vorhaben zu fördern, weil dort ein steigender Bedarf herrscht", sagte der Minister. Denn Menschen hätten das Bedürfnis, möglichst lange Zuhause zu bleiben, auch wenn sie Unterstützung benötigen.

 

In seinem Vortrag ging Lucha unter anderem auf das Pflegestärkungsgesetz ein. Das Ziel müsse sein, jedem die Hilfe zu ermöglichen, die er benötige, um möglichst lange eigenständig leben zu können. Er erinnerte aber auch: "Hilfe im Alter ist auch eine eigene Verantwortung des Einzelnen. Es gibt keine Vollkaskoversicherung." Bei der Pflege mahnte er an, den Menschen nicht auf seine Hilfsbedürftigkeit zu reduzieren, sondern ein respektvolles und selbstverantwortliches Leben im Alter als Grundgedanken zu nehmen. Dazu müsse auch etwas gegen den Fachkräftemangel getan werden, etwa indem Arbeitsbedingungen, Image des Berufs und Gehalt in der Pflegebranche sich wandeln müssten.

In der Diskussionsrunde mit dem Publikum bemängelte eine Besucherin, dass ein Antrag für Einstufung auf den Pflegegrad zu lange dauere. Ein zufällig als Privatperson anwesender Mitarbeiter des medizinischen Dienstes der Krankenversicherung, der solche Anträge bearbeitet, wies auf einen Rückstand hin. "Im Bereich Ulm-Bodensee stehen 3500 Anträge noch in Bearbeitung", sagte der Mitarbeiter. Vorrangig würden aber derzeit die Fälle bearbeitet, die eine stationäre Unterbringung oder einen Pflegedienst erfordern. Höherstufungen im Pflegegrad könnten sich verzögern. Auch da bot Lucha Unterstützung an. "Wenn so ein Handlungsbedarf besteht, dann müssen wir mit den Trägern sprechen, ob Abhilfe geschaffen werden kann."

Wie pflegende Angehörige unterstützt werden, wollte ein Besucher vom Minister wissen. Der räumte ein: "Da haben wir des Rätsels Lösung noch nicht gefunden. Neben Lohnersatzleistungen und Rentenanrechnung muss auch das Kurzzeitpflegeangebot ausgebaut werden, um Angehörige zu entlasten." Denn Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei nicht nur ein Thema für Eltern mit kleinen Kindern, sondern auch für pflegende Angehörige.