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13.07.2015 Kategorie: Allgemeine Infos

Pflegestärkungsgesetz: Sowohl Patienten als auch Angehörige profitieren

Einen Angehörigen zu pflegen, kann zu einer großen Belastung werden. Um dem vorzubeugen, hat die Bundesregierung in diesem Jahr das neue Pflegestärkungsgesetz 1 eingeführt, das pflegebedürftigen Menschen mehr Leistungen zugesteht, auch um die pflegende Angehörige zu entlasten. Die Pflegedienstleiterinnen (PDL) der Sozialstation Bodensee wissen, von welchen Neuerungen die Betroffenen profitieren können.

Haben das neue Pflegestärkungsgesetz im Griff: Ulrike Auer, Sigrid Koch, Karin Schneider und Marlene Scheu (von links), die Pflegedienstleiterinnen der Sozialstation Bodensee.

„Es sind einige Regelungen geändert worden, die den Patienten zu Gute kommen und in jeder Pflegestufe sind die Geld- und Sachleistungen erhöht worden“, sagt Sigrid Koch, PDL im Pflegebereich Salem.“

Bisher kamen nur Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz mit Pflegestufe 0, in den Genuss von Betreuungs- und Entlastungsleistungen. „Neuerdings können auch Menschen in den Pflegestufen 1, 2, und 3 diese Leistungen beantragen“, sagt PDL Karin Schneider aus Stockach. „Zusätzlich zu den Sachleistungen und zum Pflegegeld können dafür jeden Monat 104 Euro bei der Pflegekasse beantragt werden“, sagt sie.

Zu diesen Betreuungsleistungen gehören zum Beispiel Begleitdienste zum Arzt oder beim Spaziergang, Vorlesen, Spielen oder ähnliches. Zur Entlastung können haushaltnahe Dienstleistungen wie Waschen, Einkaufen oder Putzen in Anspruch genommen werden.

Wichtig dabei: „Es darf nicht als Barbetrag abgerufen werden, sondern als Dienstleistung einer anerkannten Institution wie etwa der Sozialstationen“, betont PDL Marlene Scheu vom Pflegebereich Markdorf. „Wenn ich das Betreuungsgeld in einem Monat nicht genutzt habe, kann ich’s in den nächsten übertragen lassen“, sagt Ulrike Auer, PDL in Überlingen. Wird das Geld innerhalb eines halben Jahres nicht abgerufen, dann verfällt es.

Damit die pflegenden Angehörigen auch mal eine Auszeit nehmen können, gibt es die sogenannte Verhinderungspflege. „Die Sozialstation springt ein, wenn die Angehörigen verhindert, sprich selbst erkrankt sind, in Urlaub fahren wollen oder einfach mal einen Tag für sich möchten“, erklärt Karin Schneider. Die Kosten übernimmt die Pflegekasse. „Jeder Patient hat im Jahr einen Anspruch auf 1612 Euro für Verhinderungspflege“, sagt Sigrid Koch. Zusätzlich stehen jedem Patienten 1612 Euro für Kurzzeitpflege in einer stationären Einrichtung zu. Neu im Sozialgesetzbuch: Der Anspruch auf Kurzzeitpflege ist von vier auf sechs Wochen pro Jahr angehoben worden. Und: „Wer keine Kurzzeitpflegeplätze in Anspruch nimmt, kann die Hälfte dieses Geldes zusätzlich für die Verhinderungspflege in Anspruch nehmen“, erläutert Marlene Scheu.

Ebenfalls von den Pflegekassen übernommen werden Pflegeschulungen zu unterschiedlichen Themen wie Entlastungsleistungen, Inkontinenzversorgung, Lagerung und Mobilisation oder Umgang mit Hilfsmitteln. Diese in der Regel etwa zweistündigen Schulungen bei den Patienten zuhause, werden zusätzlich zum Pflegegeld komplett von der Pflegekasse bezahlt.

Die vier Pflegedienstleiterinnen der Sozialstation Bodensee sind sich einig: „Sowohl Patienten als auch die Angehörigen profitieren von den Neuerungen des Pflegestärkungsgesetzes.“