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26.06.2014 Kategorie: Allgemeine Infos

Markdorf: Es geht aufwärts bei der Sozialstation

Nach tiefroten Zahlen im Jahr 2012 hat die Sozialstation Linzgau das Ruder herumgerissen und ist wirtschaftlich wieder in der Gewinnzone. Dennoch denkt man über strukturelle Veränderungen nach: Aus dem Verein soll wohl eine GmbH werden. (Südkurier vom 26.6.2014 von Christiane Keutner)

Das Vorstandsteam der Sozialstation Linzgau mit Geschäftsführer Wolfgang Jauch und Pfarrer Ulrich Hund sowie Pflegedienstleitung Marlene Scheu.

Nach gemeinsamen Anstrengungen im vergangenen Jahr geht es „nach einem besorgniserregenden Geschäftsergebnis 2012“ wirtschaftlich wieder aufwärts bei der Sozialstation Linzgau.

Das teilten der Vorsitzende Peter Bücken und Geschäftsführer Wolfgang Jauch bei der Mitgliederversammlung in den Räumen der Sozialstation mit. Sie dankten den Mitarbeitern für ihre großartige Leistung. Dank ihnen, struktureller Änderungen und Verbesserungen war dies gelungen. Um auch künftig auf eine „schwarze Null“ zu kommen, wird jedoch eine Überlegung ins Auge gefasst, mit der die Sozialstation immer geworben hatte: Für Patienten, die abgelegen wohnen, muss aus Wirtschaftlichkeitsgründen wohl mittelfristig ein „Wegegeld“ erhoben werden.

Zudem wird es, bedingt durch die Veränderungen in der Seelsorgeeinheit, zu einer Neuausrichtung der Sozialstation kommen. Die Zahl der Mitglieder schrumpft und gefährdet damit den Status des Vereins.

Nun wird auf Anraten eines Sachverständigen eine Überführung in eine GmbH bis Ende 2014 überlegt mit dem Ziel, die Eigenständigkeit des Vereins zu belassen. Das „Essen auf Rädern“ ist beschlossene Sache und wird ab 1. Juli für maximal 50 Interessenten angeboten. Von der Sozialstation beauftragte Experten der Erzdiözese Freiburg hatten den Verein nach dem schlechten Abschluss durchleuchtet. Die Ergebnisse hatten geholfen, Prozesse zu optimieren, so Jauch. Monatliche Abrechnungen, Controlling, EDV-Nachschulungen, die Eröffnung neuer Geschäftsfelder, mehr Öffentlichkeitsarbeit zur Gewinnung neuer Patienten, neu verhandelte Altverträge, eine Optimierung der Pflege, verstärkte Einsätze bei der Verhinderungspflege und bei sonstiger Betreuung sowie Einsparungen bei den Gemeinkosten und Sondereffekte wie die Erhöhung der Mitgliedsbeiträge trugen zu einer Umsatzsteigerung von 267.000 Euro bei, wobei die Personalkosten lediglich um 113.000 Euro gestiegen waren.

Letztendlich schloss das Jahr 2013 mit einem Plus von13.500 Euro ab; 2012 gab es ein Minus von158.000 Euro.

Jauch dämpfte jedoch eventuelle Euphorie: „Ohne die Zuschüsse von Kirchengemeinden und Kommunen sowie Mitgliedern würden die Ergebnisse deutlich niedriger ausfallen.“

Wie wird es 2014 aussehen? „Wir erwarten zwar ein weiteres deutliches Umsatzwachstum, aber lediglich ein Null-Ergebnis“, so Jauch. Grund ist die Tariferhöhung. Schön für die Mitarbeiter, schlecht für die Wirtschaftlichkeit, denn die mit den Krankenkassen ausgehandelten Preiserhöhungen kompensieren nur einen Teil der Personalkosten.

Zudem wirkten sich notwendige Investitionen im EDV-Bereich, ein abfindungsrelevanter Personalfall, eine alle drei Jahre durchzuführende betriebsärztliche Regeluntersuchung aller Mitarbeiter sowie Überstundenabbau aus. Apropos Mitarbeiter: Der ewige Kampf um Pflegefachkräfte verstärkt sich. Was auf der einen Seite positiv ist, die Treue der Mitarbeiter, wirkt sich irgendwann einmal negativ aus: Der Altersdurchschnitt liegt zwischenzeitlich bei 53 Jahren, einige Mitarbeiter werden demnächst in Rente gehen. Langfristig soll der Personalbedarf mit eigenen Auszubildenden gedeckt werden. In Markdorf beginnen im Oktober drei Menschen ihre Ausbildung. Hier wurden bewusst Menschen mittleren Alters geworben; teils hatten sie schon in der Nachbarschaftshilfe gearbeitet. Die Chancen der Sozialstation lägen im Ausbau weiterer Geschäftsfelder wie das bereits publik gemachte „Essen auf Rädern“. Die Sozialstation setzt auch auf die Aufnahme von Einzelverhandlungen über Pflegesätze mit den Kranken- und Pflegekassen. Bisher habe der Caritasverband pauschal verhandelt. Zudem hofft Jauch auf das von der Bundesregierung beschlossene Pflegestärkungsgesetz, um die Einrichtung Sozialstation dauerhaft weiterführen zu können.