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23.12.2016 Kategorie: Infos Sozialstation

Hochprofessionelle Veranstaltung mit kompetenten Referenten

Die Arbeit mit schwer kranken Menschen und Sterbenden gehört in der ambulanten Pflege zum Alltag. Dabei ist jede Situation anders und stellt die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sozialstation Bodensee immer wieder vor neue Herausforderungen. Bei einem speziellen Palliative-Care-Tag haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Gesundheitsakademie Weingarten die Palliativpflege aus unterschiedlichen Blickwinkeln kennengelernt und wichtige Informationen für ihren Arbeitsalltag mitgenommen.

Pfarrer Ulrich Hund ist einer der Referenten.

Darin waren sich alle Referenten einig: Egal wie krank ein Mensch ist und wie nah der Tod zu sein scheint, er verdient eine würdevolle Behandlung. Palliation akzeptiert den Lauf der Dinge und soll helfen, die Lebensqualität des Sterbenden zu verbessern.

Den Anfang machte der Markdorfer Pfarrer Ulrich Hund, der die Versorgung sterbenskranker Menschen als urchristlichen Dienst hervorhob. In ihrem Pflegealltag kämen die Mitarbeiter den Patienten nicht nur körperlich sehr nahe, sondern würden oft auch zur Vertrauensperson. „Seien Sie wachsam, ob der Kranke einen Wunsch hat, den er vor den Angehörigen nicht auszusprechen wagt“, gab Pfarrer Hund den Teilnehmerinnen mit auf den Weg. Vielen gläubigen Menschen helfe es, in den letzten Stunden mit dem Pfarrer zu sprechen, zu beten oder die Krankensalbung zu empfangen, berichtete Pfarrer Hund aus seinem seelsorgerischen Alltag.

Dass auch kulturelle und geschichtlich überlieferte Rituale Halt und Sicherheit im Verabschiedungsprozess geben können, verdeutlichte Dr. phil. Thomas Bek von der Hochschule Weingarten-Ravensburg in seiner philosophischen Annäherung an das Fremde für den Menschen.

„Einfühlungsvermögen zeigen und Zuhören sind unsere Aufgaben“, leitete Thomas Radau, Leiter des Hospizes im Schussental, seinen Vortrag über die Palliative Versorgung ein. Das dürfe nicht außer Acht gelassen werden, auch wenn es die Geldgeber oft anders sähen. Radau ging speziell auf Demenzkranke ein, deren Handeln und Entscheiden vom Augenblick bestimmt seien. Sagen und Tun stimme nicht immer überein. „Handeln ist wichtiger als Worte", sagte Radau aus langjähriger Erfahrung. „Die non-verbale Kommunikation sagt sehr viel mehr aus als Worte“, bestätigte auch Kommunikationstrainerin Cornelia Reischmann-Walter. Sie riet den Pflegekräften eine möglichst neutrale Haltung einzunehmen, um nicht in eventuell bestehende Konflikte zwischen Patient und Angehörigen zu geraten. Auch Thomas Radau gab den Teilnehmerinnen einen Rat mit auf den Weg, um ihnen das Abschalten von der Arbeit zu erleichtern: „Beschäftigen Sie sich in ihrer Freizeit mit lebendigen Dingen.“

Im zweiten Teil des Seminars erwarteten die Teilnehmer interessante Informationen von Dr. Stefan Locher, Chefarzt in der Oberschwabenklinik Wangen, und Fachkrankenschwester Natascha Köhler über die Entstehung von Schmerzen beziehungsweise den richtigen Einsatz von Schmerzmitteln.

Die onkologische Fachkrankenschwester Hildegard Kerler gab anschauliche Einblicke in ihre Arbeit als Wundpflegerin und hatte viele Tipps zur Pflege von offenen Wunden parat.

Anne Gruninger, Fachkrankenschwester Palliative Care und Aromaexpertin, vermittelte einfühlsam den passenden Umgang mit sterbenskranken Menschen.

Sozialstation-Geschäftsführer Wolfgang Jauch ließ es sich nicht nehmen, selbst an einem der vier Palliative-Care-Tage teilzunehmen und zeigte sich beeindruckt von der „hochprofessionellen Veranstaltung mit sehr kompetenten Referenten“.

„Ich habe sehr viel über das Thema Palliativpflege erfahren, und weiß jetzt, womit unsere Schwestern immer wieder konfrontiert sind“, sagte Jauch. Bei der Gelegenheit vergaß er nicht, sich bei den Unterstützern der Sozialstation und allen Spendern, allen voran dem Lions-Club, zu danken. Ohne sie wäre die Veranstaltung, die die insgesamt 320 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter während ihrer Arbeitszeit besuchen konnten, nicht möglich gewesen.