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16.03.2015 Kategorie: Infos Sozialstation

Gesundheitsvorsorge: Experten zeigen Zukunftsmodelle auf

Gesundheitsvorsorge für zukünftige Generationen ist ein Thema in Bermatingen: Das stellte Carola Uhl, Vorsitzende des CDU-Ortsverbandes Bermatingen-Ahausen, anhand der Besucher fest, die der Einladung zu diesem Thema gefolgt waren. Im Landgasthaus Zollerstuben skizzierten Gesundheitsexperten die notwendigen Rahmenbedingungen für eine gute Versorgung. (von Christiane Keutner, Südkurier vom 16.3.2015)

Die Expertenrunde zum Thema Gesundheitsvorsorge (vordere Reihe, v.l.): Wolfgang Jauch, Ingrid Daub, Lothar Riebsamen und Hans-Dieter Kober; (hintere Reihe, v.l.): Werner Ströbele, Angelika Koller, Wolfgang Schmitt, Carola Uhl, Iris Scheller und Karin Polster. /Südkurier-Bild: Christiane Keutner

Der Babyboom der 50er-Jahre und nachlassende Geburten heute fordern ihren Tribut. „Wir brauchen mehr als zwei Geburten pro Frau, um unseren Status zu erhalten“, so Apotheker Hans-Dieter Kober. In den nächsten 15 Jahren gingen 10 Millionen Menschen in Rente. Das bedeutet weniger Zahlungen in die Krankenkasse und eine höhere Inanspruchnahme von Leistungen. Durch die Schieflage zwischen Erwerbstätigen und Rentnern entstehe ein Generationenkonflikt. Man habe die Wahl: schlechtere Leistungen oder höhere Beiträge. Hinzu kommen extrem teure Medikamente, zunehmender Ärztemangel und damit ein Rückgang der Apotheken. Das fordert Mobilität von den Bürgern in die Zentren.

Fast ein Viertel der niedergelassenen Ärzte wollen in den nächsten 15 Jahren in den Ruhestand, informierte Hausarzt Wolfgang Schmitt vom Ärztenetz Bodensee. Er monierte politische Entscheidungen, zunehmende Bürokratie und sah eine Verbesserung der Lage in der Zusammenarbeit der Ärzte mit den Gemeinden.

„Wir sind in den nächsten fünf bis zehn Jahren nicht mehr da“, machte Iris Scheller, eine von vier Ärzten in Bermatingen, die prekäre Lage deutlich. Sie sieht eine Lösung wegen der hohen Praxiskosten nur in Gemeinschaftspraxen, damit sich Nachfolger in die Selbstständigkeit wagten, mahnte einen guten ÖPNV an, den Ausbau sozialer Netze sowie von der Politik Entscheidungen für angemessene und zielgerichtete Wirtschaftlichkeit.

Auf die benachteiligte Lage des ländlichen Raums mit langen Anfahrtsstrecken, Nachwuchsprobleme in der Kranken- und Altenpflege, hohe Kosten und den Kampf mit den Krankenkassen um Leistungen verwies Wolfgang Jauch, Geschäftsführer der Sozialstationen im Linzgau. Angelika Koller vom Pflegedienst wünscht sich eine Aufwertung des Pflegeberufs. Stete Herausforderung sei die zunehmende Demenz.